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Kapitel O

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Praktische Herausforderungen für das Gehör bei mikrotonalen Projekten

 

Wie an anderer Stelle dargestellt, fällt es auch mir selbst nicht immer nur leicht, eine pythagoreische Terz zu unterscheiden von eine harmonischen Terz.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XH%204%20Schwebungsfreie%20Terz%204zu5%20vs%20Terz%2064zu81.mp3

 

Diese 21,5 Cent Differenz sind durch das Gehör zwar zu bewältigen, aber es braucht dazu einige Voraussetzungen, die nicht immer in gleicher Weise gegeben sind.

 

Das Ausmaß an verfügbarerer Konzentration kann sehr unterschiedlich sein: Während ich z.B. dirigiere, gibt es viele andere Details gleichzeitig zu beachten (Rythmik, Bewegung, Notenlesen usw.). Ich muss zugeben, dass ich manchmal „falsch gespielte“ Mikrotöne erst nachträglich (z.B. bei der Kontrolle von Aufnahmen) als solche bemerkt habe (z.B. weil mir die Abweichung vom chromatischen Intervall während der Aufführung stärker bewusst gewesen war als das dadurch erklingende Mikrointervall).

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%201%20chromatische%20Intervalle%20und%20Mikrointervalle%20z.B.%20enharmonische.mp3

 

Ähnliche Herausforderungen beginnen bereits vor jeder Probe einer mikrotonalen Komposition: Komponierende Menschen hören zwar in ihrer Klangvorstellung unter anderem auch Mikrotöne – aber in der traditionellen Ausbildung an Konservatorien und Musik-Universitäten kam kein Fach vor, wo die Unterscheidung und Identifizierung der verschiedenen, nahe beisammen liegenden Mikrotöne trainiert worden wäre.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%202%20Bezeichnung%20und%20Notation%20von%20Mikrointervallen.mp3

 

Es fehlt zudem eine verbindlich verbale Fachsprache, mit der allgemein verständlich mitgeteilt werden könnte, welche mikrotonale Tonhöhe die gemeinte sei. Es fehlt eine verbindliche Notationsweise. Und es fehlt an Instrumenten, mittels deren Einsatz rasch nachgeprüft werden könnte, welche exakte Frequenz erklang bzw. erklingen sollte.

 

Die Enharmonische Orgel Hans-André Stamms stellt diesbezüglich eine seltene (weil existierende) Ausnahme einer wirklich verwendbaren mikrotonalen Tastatur dar.

 

Es gibt wohl Menschen, die Mikrointervalle schon heute leichter identifizieren können als andere – aber unter diesen Menschen können wenige komponieren.

 

Meine eigenen mikrotonalen Fähigkeiten sind jedenfalls beschränkt. Diese Beschränktheit ist einzugestehen: So sehr ich mich bemühe, und so gut mein Gehör auch geschult sein mag: Bei mikrotonaler Musik geht es um so feine Frequenz-Unterschiede, dass Irrtümer häufiger sind als bei (z.B.) chromatischer Musik.

 

Wenn z.B. allgemein angenommen wird, dass die Unterscheidungsschwelle für Mikrofrequenzen bei 7 Cent liegt, dann sollte dazu gesagt werden, ob hier Intervall-Töne gemeint sind, die nacheinander erklingen, oder Intervall-Töne,  die zugleich erklingen.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%203%20Unterscheiden%20zwischen%20sehr%20%E4hnlichen%20Mikrotonfrequenzen.mp3

 

Ich kann bei vielen zugleich gespielten Intervalltönen relativ leicht feststellen, ob es sich um schwebungsfrei gespielte Konsonanzen handelt – auch bei Mikrointervallen.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%204%20Unterscheiden%20zwischen%20rein%20oder%20verstimmt%20bei%20konsonanten%20Intervallen%20simultan%20und%20sukzessiv.mp3

 

Teils fällt mir das auch bei rein gespielten Dissonanzen ähnlich leicht.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%205%20Dissonanzen%20bleiben%20auch%20%20bei%20reiner%20Intonation%20dissonant.mp3

 

Manche ähnlichen Mikrointervall-Töne kann ich aber leichter auseinanderhalten, wenn die beiden Töne nacheinander gespielt werden (als „Melodiefolge“).

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%206%20Unterscheiden%20%E4hnlicher%20Frequenzen%20simultan%20oder%20sukzessiv.mp3

 

Nicht immer ist für mich die Schwelle, wo ich nicht mehr unterscheiden kann, 7 Cent groß.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%207%20Szusagen%20nicht%20ganz%20rein%20gestimnmte%20Oktave.mp3

 

Anscheinend gibt es bei manchen Zusammenklängen überhaupt keine Unterscheidungsschwelle, und jede noch so kleine Differenz wird unterscheidbar (z.B. bei mikrotonale umgestimmten Einklängen).

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%208%20H%F6ren%20sehr%20kleiner%20Frequenzuntwerschiede%20im%20sozusagen%20verstimmten%20Einklang.mp3

 

Bei anderen Mikrointervallen wieder muss für mich der Unterschied zu anderen Intervallen eher größer als 7 Cent sein, damit ich differenziert hören kann.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%209%20Kleine%20Frequenzuntwerschiede%20zwischen%20verschiedenenTerzt%F6nen.mp3

 

Ich denke, dass Zusammenhänge erst gründlicher zu erforschen sind, bevor allgemein gültige Aussagen über das Gehör im mikrotonalen Umfeld gewagt werden können.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2010%20Schwebungen%20entstehend%20durch%20Frequenzen%20im%20Mikrointervallabstand.mp3

 

Mikrointervalle z.B., die zugleich erklingen, erzeugen Schwebungen in der Lautstärke, und dadurch ist oft völlig exakt feststellbar, ob ein Mikronintervall rein gespielt wird.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2011%20Schwebungen%20entstehend%20durch%20Frequenzen%20im%20verstimmten%20Quintabstand.mp3

 

Davon zu unterscheiden sind wiederum Strukturen, an denen drei oder mehr zugleich erklingende Töne beteiligt sind.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2012%20%20Akkorde%20mit%20leicht%20unterschiedlichenMikrointervallen.mp3

 

Mir fällt es hier z.B. relativ leicht, zu hören, dass der Gesamtklang „rein“ ist. Wenn er aber „nicht rein“ gespielt wird, ist es schon viel schwerer, festzustellen, wie viele und welche Einzel-Intervalle im Gesamtklang „verstimmt“ sind.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2013%20Durdreiklang%20rein%20und%20enharmonisch%20und%20mikrotonal%20substituiert.mp3

 

Bei manchen vielstimmigen Akkorden fällt mir die Analyse im Gehör leichter als bei anderen – und auch diesbezüglich wäre es eine Untersuchung wert, warum.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2014%20Chromatisch%20identische%20Akkorde%20mit%20unterschiedlicher%20Feinstufenintonation.mp3

 

So kann es z.B. beie vielstimmig simultan erklingenden reinen Partialtonreihen fast unmöglich sein, festzustellen wie viele Töne zugleich erklingen.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2015%20Wieviele%20T%F6ne%20der%20Partialtonreihe%20erklingen%20wirklich.mp3

 

Schwierig ist fallweise auch die gezielte, exakte Intonation von mikrotonalen Tonfolgen

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2016%20Mikrotonfolge%20gest%FCtzt%20durch%20einen%20Akkord.mp3 

 

(sofern sie nicht vorgefertigt sind durch fix gestimmte Musikinstrumente).

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2017%20Mikrotonfolge%20konterkariert%20durch%20einen%20anderen%20Akkord.mp3

 

In manchen Zusammenhängen wird z.B. ein Mikrotonskala leichter präzise intoniert, wenn sie von bestimmten Begleit-Akkorden „gestützt“ wird.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2018%20Mikrotonfolge%20deren%20exakte%20Intonation%20durch%20Akkordst%FCtze%20nicht%20leichter%20wird.mp3

 

In anderen Fällen wieder erschwert jede Begleitung das präzise Intonieren einer Mikroton-Skala.

 

http://www.soyka-musik.at/upload/media2/Zu%20Mikrobuch%20-%20XO%2019%20Das%20Zurechth%F6ren%20zu%20unterlassen%20ist%20oft%20fast%20unm%F6glich.mp3

 

Viele Phänomene sind heute noch sehr rätselhaft.

 

Aus diesem Kapitel wird hier nur ein Teil veröffentlicht.

 

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